Riester-Verträge gelten als der Klassiker der geförderten Altersvorsorge — doch viele wollen aussteigen, wenn sich die Rendite nicht lohnt. Kündigen ist möglich, aber nicht kostenlos: Zulagen und Steuervorteile werden zurückgefordert, und im schlimmsten Fall verlieren Sie die Beitragsgarantie. So rechnen Sie richtig.
Was eine Kündigung kostet
1. Zulagen werden zurückgefordert
Alle erhaltenen Zulagen (Grundzulage 175 €, Kinderzulagen, Berufseinsteigerbonus) müssen bei einer Kündigung zurückgezahlt werden — inklusive der darauf erzielten Erträge.
2. Steuervorteile werden nachversteuert
Die Beiträge, die Sie steuerlich abgesetzt haben, werden bei der Kündigung nachversteuert: Das geförderte Kapital wird zum individuellen Steuersatz versteuert. Bei hohem Einkommen kann das ein großer Posten sein.
3. Die Beitragsgarantie kann verloren gehen
Bei einer Kündigung greift die Garantie des eingezahlten Kapitals nicht mehr automatisch: Im schlimmsten Fall bekommen Sie weniger zurück als eingezahlt, wenn der Vertrag Verluste gemacht hat (bei fondsgebundenen Riester-Verträgen möglich).
Beispielrechnung
Angenommen, Sie haben 10 Jahre lang 2.100 € jährlich eingezahlt (21.000 €) und 2.500 € Zulagen erhalten. Bei Kündigung zahlen Sie die 2.500 € Zulagen zurück und versteuern das geförderte Kapital nach. Von den 21.000 € Einzahlungen bleiben nach Rückzahlung und Steuern oft nur 15.000–17.000 € übrig. Das zeigt: Kündigen ist fast immer teuer — Beitragsfreistellung ist meist die bessere Option.
Beitragsfreistellung statt Kündigung
Was ist Beitragsfreistellung?
Sie zahlen keine Beiträge mehr, der Vertrag läuft aber weiter und bleibt gefördert. Zulagen, Steuervorteile und die Garantie bleiben erhalten — nur das angesparte Kapital wächst ohne neue Beiträge. Das ist in fast allen Fällen besser als eine Kündigung.
Wann Kündigen trotzdem sinnvoll ist
Nur wenn der Vertrag hohe Kosten hat und Sie das Kapital dringend brauchen, kann eine Kündigung trotz der Rückforderungen sinnvoll sein — etwa bei massiver Verschuldung. Rechnen Sie vorher genau nach.
Alternativen zur privaten Altersvorsorge
1. ETF-Sparplan
Für viele ist ein günstiger ETF-Sparplan auf den Weltmarkt die bessere Altersvorsorge als Riester: niedrige Kosten, keine Garantieverpflichtung, historisch deutlich höhere Renditen. Die Grundlagen finden Sie in unserem Anbietervergleich.
2. Betriebliche Altersvorsorge (bAV)
Die bAV über den Arbeitgeber nutzt steuer- und sozialabgabenfreie Entgeltumwandlung. Wenn Ihr Arbeitgeber sie anbietet und bezuschusst, ist sie oft attraktiver als Riester. Details im Ratgeber zum bAV-Ausstieg.
Fazit: Kündigen oder nicht?
Kündigen ist fast immer der teuerste Weg aus einem Riester-Vertrag. Zuerst prüfen: Beitragsfreistellung (kostenlos, Förderung bleibt), dann Vertragswechsel zu günstigeren Anbietern, dann erst Kündigung. Wenn Sie Geld anlegen möchten, starten Sie mit den Grundlagen des Investierens (Englisch) und unserem 100-Euro-Einstieg.
FAQ
Kann man einen Riester-Vertrag jederzeit kündigen?
Ja, eine Kündigung ist jederzeit möglich. Sie müssen aber erhaltene Zulagen zurückzahlen und die Steuervorteile nachversteuern. Beitragsfreistellung ist meist die günstigere Alternative.
Was kostet es, Riester zu kündigen?
Die Zulagen (175 € Grundzulage, Kinderzulagen) werden zurückgefordert und das geförderte Kapital nachversteuert. Je nach Einkommen können 20–40 % des geförderten Kapitals wegfallen.
Was ist besser: kündigen oder beitragsfrei stellen?
Fast immer beitragsfrei stellen: Der Vertrag bleibt gefördert, Zulagen und Garantie bleiben erhalten, und Sie zahlen nur keine neuen Beiträge mehr. Kündigen lohnt nur bei Notlagen.
Was ist die beste Alternative zu Riester?
Für viele ein günstiger ETF-Sparplan auf den Weltmarkt: niedrige Kosten, keine Garantieverpflichtung, historisch höhere Renditen. Auch die bAV über den Arbeitgeber kann attraktiver sein.