Ein ETF-Sparplan ist bequem, aber nicht die einzige Möglichkeit, in Indexfonds zu investieren. Wer eine größere Summe auf einmal anlegen möchte — etwa Weihnachtsgeld, eine Erbschaft oder angespartes Tagesgeld —, kauft ETFs direkt als Einmalkauf. Das geht bei jedem Broker und dauert wenige Minuten. Was du dabei beachten solltest, erklärt dieser Artikel.
1. Einmalkauf vs. Sparplan: der Unterschied
Beim Sparplan kauft dein Broker automatisch zu einem festen Termin (z. B. monatlich) Anteile für einen festen Betrag — häufig gebührenfrei. Beim Einmalkauf gibst du selbst eine Order auf: du wählst den ETF, gibst einen Betrag oder eine Stückzahl ein und kaufst zum aktuellen Kurs. Die Anlage selbst ist identisch (derselbe Index, dieselben Gebühren im Fonds) — es unterscheiden sich nur Orderabwicklung und Kosten.
Viele Anleger kombinieren beides: eine größere Einmalanlage jetzt, danach ein kleiner Sparplan für die regelmäßige Besparung.
2. Einmalkauf in 4 Schritten
- Depot wählen: Neobroker (Trade Republic, Scalable Capital, Finanzen.net Zero) mit kostenloser Depotführung oder klassische Direktbank (ING, Consorsbank).
- ETF auswählen: Für Einsteiger eignen sich breite Indizes wie MSCI World oder FTSE All-World. Achte auf die thesaurierende Variante (Gewinne werden reinvestiert) — bequemer für Einmalkäufer.
- Order aufgeben: Betrag eingeben und als Einmalkauf (nicht Sparplan) ausführen. Bei den meisten Brokern sind auch Bruchstücke ab kleinen Beträgen möglich; klassisch kaufst du ganze Anteile.
- Freistellungsauftrag einrichten: 1.000 € Kapitalerträge pro Person und Jahr sind steuerfrei — stelle den Auftrag ein, sonst zieht der Broker automatisch Abgeltungsteuer ab.
3. Was der Einmalkauf kostet
- Ordergebühr: meist 0,99–1,50 € oder einen Prozentsatz (0,2–0,25 %) beim Neobroker; Direktbanken verlangen oft mehr. Beim Sparplan entfällt diese Gebühr häufig — der Einmalkauf kostet also einmalig etwas.
- Spread: die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs. Bei liquiden ETFs (MSCI World, S&P 500) ist sie minimal; kaufe während der Handelszeiten der Börse (9–17:30 Uhr).
- Fondsgebühr (TER): 0,07–0,25 % pro Jahr, unabhängig von der Kaufart — sie steckt im Kurs und wird täglich abgezogen.
Kleiner Tipp: Für sehr kleine Beträge (unter 50 €) ist der Einmalkauf wegen der Ordergebühr unverhältnismäßig — dafür lohnt der Sparplan.
4. Steuern beim ETF-Kauf ohne Sparplan
Einmalkäufe unterliegen denselben Regeln wie Sparpläne: Beim Verkauf werden Gewinne mit Abgeltungsteuer (25 %) plus Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer besteuert. Zusätzlich gilt seit 2018 die Vorabpauschale: Jedes Jahr wird eine fiktive Mindestrendite versteuert — auch wenn du nicht verkaufst. Der Broker führt das automatisch ab; mit einem Freistellungsauftrag bleibt der erste Teil steuerfrei.
Wichtig für Einmalkäufer: Notiere dir das Kaufdatum und die Anzahl der Anteile. Beim Verkauf gilt FIFO (first in, first out) — die zuerst gekauften Anteile werden zuerst verkauft. Dein Broker berechnet das automatisch in der Steuerbescheinigung.
5. Lohnt sich der Einmalkauf oder doch der Sparplan?
- Einmalkauf: Je früher Geld investiert ist, desto länger arbeitet es. Historisch schlägt eine sofortige Einmalanlage über lange Zeiträume meist einen gestreckten Einstieg — wenn du die Summe hast, warte nicht Jahre.
- Sparplan: reduziert das Timing-Risiko („Cost-Average-Effekt“) und ist psychologisch einfacher, wenn Kurse fallen.
- Faustregel: Vorhandene Summe sofort anlegen (ggf. in 2–3 Tranchen über einige Wochen, falls es sich besser anfühlt) und den monatlichen Cashflow per Sparplan investieren.
Wichtig: Nur Geld investieren, das du die nächsten 10+ Jahre nicht brauchst. Ein Notgroschen von 3–6 Monatsausgaben gehört aufs Tagesgeldkonto, nicht in ETFs.
Häufige Fragen
Kann ich bei jedem Broker ETFs ohne Sparplan kaufen?
Ja — ein Einmalkauf (auch „Einzelorder“ genannt) ist bei jedem Depot möglich. Der Unterschied liegt nur im Preis: Bei Neobrokern kostet die Order 1 € oder weniger, bei manchen Direktbanken 10–25 €. Für eine einzelne große Summe ist das vernachlässigbar.
Ab welchem Betrag lohnt sich ein ETF-Einmalkauf?
Richtwert: ab 250–500 €, damit die Ordergebühr nicht mehr als ca. 0,5 % ausmacht. Darunter ist ein Sparplan (oft gebührenfrei) oder das Ansparen auf dem Tagesgeldkonto sinnvoller.
Muss ich beim Einmalkauf mehr Steuern zahlen als beim Sparplan?
Nein. Die Steuerregeln sind identisch (Abgeltungsteuer beim Verkauf, jährliche Vorabpauschale). Der einzige Unterschied: Bei einer größeren Summe fallen auch die Steuern auf größere Gewinne an — ein Freistellungsauftrag von 1.000 € pro Person deckt den Anfang ab.


